18 Uhr
Kellerperle
Wie steht es um die Menschenrechte in Deutschland?
Stimmen deutsche Politiker gegen den Eintritt eines Anwerberlandes in die EU, oder beurteilen sie außereuropäische Situationen, es geschieht stets im Habitus desjenigen, der von sich und „seinem“ Land vermeint, die Menschenrechte schlechthin darzustellen. Messen wir am eigenen Begriff, wenden wir den Blick auf die deutsche Wirklichkeit, kommen Zweifel auf!
Zweifel kommen nicht nur bei der „Seelenheilkunde“ auf. Aber vielleicht lohnt es, besonders in einem Land, in dem Psychiatrien schon aufgrund ihrer geschichtlichen Entwicklung im Zusammenhang der Massenmorde durch Ärzte und Psychiater im Nationalsozialismus verdächtig sein sollten, genauer hinzuschauen.
Entspricht es Menschenrechten, Menschen in gesund und krank einzuteilen und sie nach gesetzten Kategorien in Bürger und Unmündige zu katalogisieren? Wer entscheidet in Deutschland aufgrund meines „geistigen Zustandes“, ob ich Mensch bin? Eine psychiatrische Diagnose und die Behauptung einer “Selbst- oder Fremdgefährdung” sind ausreichend, um jemanden zu entmündigen – zu entmenschlichen. Ein Prozess, der in anderen westlichen Ländern weit mehr des Aufwandes, etwa eines Gerichturteiles, bedarf.
Davor kann man sich jetzt schützen. Durch das Patientenverfügungsgesetz von 2009 konnte eine Pateientenverfügung realisiert werden, mit der nun die Entscheidung, ob „gesund“ oder „krank“, bei einem selbst bleibt.
Darüber, wie in Deutschland die Menschenrechte durch Zwangspsychiatrien verletzt werden und wie wir uns durch die PatVerfü rechtswirksam dagegen schützen können, referiert am 24.03.2012 Alice Halmi vom Berliner Werner-Fuß-Zentrum ab 18 Uhr in der Kellerperle, Am Studentenhaus 1, Würzburg, nähe Sanderring.
Einlass: 19.30Uhr
Beginn: 20.00Uhr
FRANK APUNKT SCHNEIDER (Bamberg)
Vortrag „Deutschpop, halt’s Maul!“- Für eine Ästhetik der Verkrampfung mit anschließendem Konzert
Popkultur war vielleicht das wichtigste Reeducation-Programm, das die Alliierten auflegten. Sie überschrieb deutsche Kultur und entfremdete die Kids von Scholle und Volksgemeinschaft. Popmusik auf Deutsch war daher lange Zeit undenkbar. Erst mit Punk entstanden deutsche Texte, die sich zur Kolonialisiertheit durch Pop bekannten. Und als aus der guten alten BRD wieder hässliches neues Deutschland geworden war, verstärkten Bands wie Kolossale Jugend oder die frühen Blumfeld (nicht zu verwechseln mit den späten) die Dissonanzen. Ihre Sperrigkeit war eine Abfuhr ans neu verordnete Wir-Gefühl. Aber in ihrem Windschatten entstand eine neue Generation, die endlich ganz unverkrampft deutsch singen wollte. Tomte, Kettcar oder Klee sangen (noch…) nicht für Deutschland, aber ihr kleinbürgerlicher Gemütsindiepop passt gut zum Entkrampfungsbefehl der Berliner Republik.
An das, was dafür aufgegeben wurde, will der Vortrag erinnern, indem er vom »Fremdwerden in der eigenen Sprache« (NDW) erzählt, von der Materialästhetik der Verkrampfung (Hamburger Schule), von der unglaublich seltsamen Unmöglichkeit deutscher Popaffirmation (Schlager) und natürlich von der Hässlichkeit des Unverkrampften.
Frank Apunkt Schneider ist unfreier Künstler, Autor und selbsternannter Poptheoretiker, Redakteur bei Testcard und Skug und außerdem deutscher Außenposten der Kulturbewegung monochrom (www.monochrom.at).
Präsentiert von KUPUK e.V.
YOUNG HARE (Frankfurt a.M.)
Young Hare sind zu zweit. Marc & Phil. Kommen aus Frankfurt am Main, sind musikalisch miteinander groß geworden und nun geht es mit dem neuen Projekt ganz schnell: die erste 4song EP ist draussen, eine geplante Tour Anfang 2012 und neue Songs. Young Hares Musik oszilliert irgendwo zwischen Dreampop, Post-Punk, Tropical und Kraut. ‚Bringing summer back‘ – ähnlich wie Washed Out oder Wild Nothing zaubern sie sofort Erinnerungen an sonnige Tage hervor, und dann kommen noch die Justin Timberlake Momente… Young Hare haben einen Louis Vuitton Koffer mit Gitarre, Synths, MPC, Maracas und Shakern im Gepäck und sind vor allem beste Typen.
THE DROPOUT PATROL (Berlin)
Schon seit über zehn Jahren, als damaliges Soloprojekt begonnen, gibt es die Dropout Patrol. Seit dem ist viel passiert. Mittlerweile zu einer Bandbesetzung zusammengewachsen und einige liebevoll und schick gemachte Homerecordings später sind sie nun endlich einmal mit ihrem wundervoll schnörkellosem LoFi Pop im Cairo. Es handelt sich um alte bekannte die unter anderem schon bei Kids Explode, Petethepiratesquid oder den Ex Best Friends aktiv sind und waren, die hier zeigen das eine Art Vertrautheit und ein Gespür für Melodien und ein wunderbar arrangiertes Songwriting vollkommen ausreichen um alles richtig zu machen. Man könnte an frühe Cat Power, Pavement oder auch Songs: Ohia denken aber vor allem auch an eine eigenständige, frische Band die man sich unbedingt ansehen sollte. Außerdem kann man gespannt sein auf das erste Album, das in den nächsten Tagen rauskommen wird
Ortlieb + PDF-Folien zu seinem Vortrag
Viel Spaß
]]> Das „Proletariat“ hat als Chiffre eine lange, unrühmliche Karriere hinter sich. Im sogenannten „traditionellen Arbeiterbewegungsmarxismus“ mit dem historischen Phänotypen des Proleten identifiziert, welcher qua seiner Stellung im Produktionsprozess und seiner moralisch verstandenen Knechtung revolutionäres Bewusstseins spontaneistisch im Klassenkampf entwickeln müsse, oder per se rebellisch jenseits der Fetischisierungen, Mystifizierungen und Naturalisierungen der kapitalistischen Verkehrsformen stünde, hat sich spiegelverkehrt dazu das Gros der Marxisten und Linken enttäuscht vom Proletariat verabschiedet, nachdem dieses nicht seinem „historischen Beruf“ (Marx) nachgekommen ist, sondern sich stattdessen ganz im Gegenteil als das erwiesen hat, als was es im kapitalistischen Produktions und – Verwertungsprozess gesetzt ist: variabler Teil des Kapitals. Seit dem Untergang des Realsozialismus, sowie der „prolet-arischen“ (Franz Neumann) Konterrevolution des Nationalsozialismus und der Shoa schwankt die westliche Linke allgemein und die deutsche insbesondere zwischen einer abgeschmackten Neuauflage der positiven Revolutionstheorie des Traditionsmarxismus, der (wertkritischen) Soziologisierung des Proletariats, einer Ausweitung des „utopische[n] Bilderverbot[s] auch auf die Frage nach dem revolutionären Subjekt“ (Ingo Elbe) und dem postmodernistischen „Abschied vom (revolutionären) Subjekt“. Während sich die fortschreitende Akkumulation des Kapitals weiterhin über die extensiv wie intensiv akkumulierende Proletarisierung eines Großteils der Menschheit vollzieht, ist der Begriff von der „Daseinsform, Existenzbedingung“ (Marx) der Proletarität und den Möglichkeiten ihrer Aufhebung in der Dimension revolutionärer Theorie und Praxis verschüttet. Gegen die Arbeitertümelei des Proletkults einerseits und die ihr aufsitzende Abkehr vom Proletariat andererseits wäre Proletarität nicht als Antwort auf die Scheinfrage zu begreifen, ob das Proletariat das revolutionäre Subjekt sei, sondern als eine Voraussetzung des dynamischen Prozesses seiner Subjektwerdung zu rekonstruieren, die eine kommunistische Revolution realistisch möglich und denkbar macht. Nur in einer nüchternen Bestimmung der Bedingungen, objektiven Möglichkeiten und Tendenzen einer kommunistischer Vergesellschaftung lassen sich die Formen und der Inhalt revolutionärer Subjektivität konkretisieren. Der Zusammenhang des Proletariats mit einer kommunistischen Revolutionstheorie wäre also in dem konkreten Beantwortungsprozess der Frage zu erschließen, wie diese Revolution beschaffen, was ihre Voraussetzungen, Mittel und Ziele sein könnten.
Findet am Samstag, den 14.01 um 20.00 Uhr in der Kellerperle statt. Der Eintritt ist kostenlos.
Die Referenten sind zwei Leute, die schon an der „Zeitschrift – herausgegeben von der AG Gesellschaftskritik“ mitgearbeitet haben.
Nochmals ein Dank an den Audiomann!
]]>Ist alternativer Lokaljournalismus möglich? Stefan Aigner, Regensburg-Digital und regionale Gegenöffentlichkeit
Stefan Aigner, der durch das Projekt regensburg-digital eine alternative journalistische Gegenöffentlichkeit zur örtlichen nahezu monopolistischen Tageszeitung schaffen wollte, kommt nach Würzburg und referiert über die Geschichte dieses erfolgreichen Unterfangens. Gerade, weil dieser Alleinvertretungsanspruch von Lokalpresse auch in Würzburg
unübersehbar ist, soll es nicht nur um die Geschichte von regensburg-digital, sondern insbesondere in der anschließenden Diskussion auch generell um die Möglichkeiten von alternativer Lokalberichterstattung, insbesondere in Zeiten der Krise des Printjournalismus und Web 2.0, gehen.
Weitere Infos unter regensburg-digital.de
]]>Vielen Dank an dieser Stelle an unseren Audiospezialisten für Aufnahme und Nachbearbeitung.
]]>Verein für Kultur, Politik und Kritik e.V.
postfach 11 02 64
97029 Würzburg